Mittwoch, 9. Juni 2010

Von Doppelherz und Baldrian

So allmählich beginne ich das Leben im Null Null und insbesondere im Vale zu mögen... es ist wirklich einfacher, an Credits zu kommen und es ist sehr sicher, sobald man weiß worauf man achten muss. Woran ich mich allerdings eine ganze Weile noch nicht gewöhnen werde, sind die Ausmaße, die die Dinge im Null Null annehmen.

Majesta Empire gehört nicht gerade zu den kleinen Allianzen und der Norden von EvE ist durchzogen von Jumpbridges, die Systeme schnell verbinden, und einer Überwachungsinfrastruktur, wie sie sich der High Sec nicht mal erträumen könnte. Und natürlich muß dieser Luxus geschützt werden.

Fleet Manöver hieß es... die Teilnahme ist Pflicht, um eine funktionierende Verteidigung - oder wie in diesem Fall - eine Offensive aufstellen zu können. Ich schnappte mir eine Flotten-Harbinger und jointe der ME Fleet. Zu diesem Zeitpunkt dürfte Puls und Atmung noch normal gewesen sein. Einen Übersetzer brauchte ich jedoch dennoch. Der englischen Sprache eigentlich mächtig, ist es dennoch mehr als mühsam, schnelle Befehle und Slang der englischsprachigen Flottenkommandanten zu verstehen und vor allem zeitnah zu befolgen.

Der Anfang war leicht, wir warpten in unserem System eine zentrale Stelle an, von der unsere Operation starten sollte. Verbindung über Flotte und Funk stand, Logistikschiffe und die üblichen Angriffsschiffe waren zuhauf vorhanden - und sogar ein Schiff, das ich schon immer einmal aus der Nähe sehen wollte... ein Titan, sogar ein Titan der Amarr. Überwältigender Anblick, im Vergleich zu diesem Giganten, der so groß wie die Station Kleinbonum war, kommt man sich unbedeutend und nichtig vor... über den Flottenkanal hieß es Jump. Der Titan wurde als Sprungbridge genutzt in ein System, von dem aus wir den Überfall in ein feindliches Territorium planten, nach F-ZNNG welches von der Black Legion kontrolliert wurde. 123 Schiffe zählte ich als wir jumpten.

Die Flotte war mehr als beeindruckend - auch ohne den Titan - und ziemlich organisiert. Wir flogen bis auf wenige Ausnahmen, die schnell in die Luft gesprengt wurden, sehr ruhig und zielgerichtet. Teil einer solchen Flotte zu sein macht schon ein wenig stolz, auch wenn zu dieser Zeit mein Puls gerade begann, den gelben Bereich zu erreichen und ich mir den Tropf mit Baldrian bereits bereitgestellt hatte.

Jump um Jump verlief ohne nennenswerte Verzögerungen bis wir das Zielsystem erreichten und uns vor einer feindlichen Infrastruktur von ORIGN sammelten und kurz danach der Beschuss einsetzte.

Die Bilder können nicht beschreiben, wie atemberaubend es aussieht wenn über 100 Schiffe gemeinsam eine feindliche Station angreifen...die Laser, die Raketen und Bomben, die an dem eigenen Schiff vorbeisurren, die Effekte, wenn sie auf die Schilde und die Hülle der Station treffen... mein Puls war mittlerweile am Ende des gelben Bereiches und meine Finger wie wild am tippen, um Einstellungen am Schiff und den Systemen vorzunehmen, die bisher noch nicht nötig waren aber nun über Leben und Tod entscheiden konnten, dann hieß es über Funk
"incoming"

Kurze Zeit danach gab es Entwarnung, es handelte sich um eine befreundete Flotte, die sich unserer anschloss und gemeinsam mit uns die Station beschoss... 197 Schiffe bis über 200, schätze ich, waren nun anwesend.

Als es jedoch kurz danach hieß, dass eine feindliche Flotte mit nicht großartig kleinerer Kampfkraft auf dem Weg zu uns war, begann mein Herz zu rasen und der erste Schweiß die Stirn herabzurinnen, die Baldrianinfusion legte ich vorsichtshalber schon einmal direkt in die Vene und warf einige Beruhigungsmittel ein.

Minuten später war Chaos... um die 150 Schiffe warpten neben uns in den Raum, Angriffsbefehle dröhnten über die Sprechanlage und ich befand mich inmitten einer Schlacht, die ich mir in meinen kühnsten Träumen so nicht vorgestellt hätte. Ich hatte Mühe mitzuhalten während die Ziele angesagt wurden und ein Schiff nach dem anderen neben und vor mir in einer Explosion das Zeitliche segnete. Ein harter Treffer auf meine Harbinger und die Lichter gingen für einen Moment aus, sie hatten die Steuerkonsole getroffen und ich hatte für einen Moment den Kontakt zur Flotte verloren... danach klappte gar nichts mehr.. Ziele waren angesagt, die ich nicht fand, meine eigenen Wingmen fand ich nicht mehr wieder - es war die Hölle. Wild hämmerte ich über die Tasten, prüfte Einstellungen und Parameter bis ich herausfand, dass ich mich in das Flottensystem der befreundeten Flotte eingeloggt hatte - Sekunden später war ich wieder in der richtigen Flotte und mitten im Geschehen.. Disruptorblasen und Smartbombs erfüllten den Raum um mich herum während ich schweißgebadet ums blanke Überleben kämpfte. Scheinbar unzählig viele neue Schiffe trafen ein - Feindliche wie Befreundete - Rettungskapseln versuchten zu fliehen... und dann erwischte es auch mich.

Unter warnenden Töten zerbrach der Rumpf der Harbinger und ich wurde hinauskatapultiert und befand mich inmitten einer Warp-Disruptor-Blase, neben mir donnerten Raketen auf eine Hurricane. Druckwellen zertrümmerten nach kurzer Zeit die spärliche Panzerung meiner Rettungskapsel - das Schild war nach der Explosion der Hurricane bereits Geschichte -

Der Weg hinaus aus der Blase war für mich die reinste Tortur, hätten die Feinde nicht genug mit der Logistik unserer Flotte zu tun gehabt und wäre ein weiteres Schiff in meiner Bahn gewesen, wäre ich wohl wieder einmal aus meiner sterblichen Hülle geblasen worden. Erst da fiel mir ein - dieser verdammte Körper steckte voller Implantate im Wert von 100 Millionen!

Ich bekam fast einen Schreikrampf während ich auf die Warptaste hämmerte! 100 Millionen! Ich Idiot hatte vergessen mich auf einen Jumpclon übertragen zu lassen! Als ich in den Warp kam, war meine Hülle beinahe komplett vernichtet, aber ich war entkommen - fürs erste.

Ich warpte - der schnellste Weg nach Hause waren 17 Jumps - mein Herz raste, das Gefühl ist in etwa zu vergleichen mit der Situation, wenn eine Horde Nashörner, die hinter einem her ist, gerade dabei ist, Fahrt zu gewinnen, und man selber zu Fuß unterwegs ist.

7 Jumps vor dem rettenden TVN System war alles dicht! Warp Scrambler Bubble und Gatecamp! 4 meiner Kollegen wurden zerlegt in ihrem Pod, ich schaffte den Sprung aus der Blase in ein Nachbarsystem...

Die folgenden Minuten kann ich nicht direkt wiedergeben, es war irgendwo zwischen Trance und schierer Panik - schnell eine Übersicht über die Jumpbridges, einige Hilfegesuche im Corp Channel über weitere Wege aus dem Cluster und immer der Feind im Nacken.

Irgendwie gelang mir der Durchbruch zu einer unserer Jumpbridges während über den Corp Channel deaktivierte Bridges durchgegeben wurden, um mir den Ausweg zu erleichtern.

Als ich P3 erreichte war sowohl die Baldrianinfusion als auch mein Wasservorrat im Körper zur Neige gegangen und mein Pod ca 1 Meter hoch mit eigenem Angstschweiß gefüllt.

Nach dem Docken an der Station hätte ich am liebsten gekotzt, aber mangels Flüssigkeit blieb mir selbst diese Freude verwehrt.

Immerhin, ich hatte es geschafft - und - was viel wichtiger war, überlebt!


Stunden später erfuhr ich, unsere Flotte hatte gewonnen und den Feind zurückgeschlagen.

Für mich war dieser Abend einer der Lehrreichsten seit ich mich in die Weiten von EvE gewagt habe und mit Sicherheit einer der Anstrengendsten. Aber ich würde es wieder tun! Und ich freue mich auf die nächste Operation!

Hasamura Ende.

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